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Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wird 100 Jahre

von Norbert Kistner

Vor 100 Jahre, am 19. Oktober 1913 wurde die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Leipzig gegründet. Hintergrund war ein schweres Unglück in Binz auf Rügen, als die Seebrücke am 28. Juli 1912 unter der Last von über 1.000 Ausflüglern und Badegästen teilweise einstürzte. Die Besucher waren auf das 580 m lange Bauwerk gekommen, um die Ankunft des Bäderdampfers „Kronprinz Wilhelm” zu erwarten. Über 100 Menschen stürzten in die Fluten. Für 14, darunter 2 Kinder, kam jede Hilfe zu spät. Die Betroffenheit über die Zahl der Opfer im Nachgang war groß. Waren doch viele der Überlebenden und Helfer nicht in der Lage den Verunglücken zu helfen und lebensrettende Maßnahmen einzuleiten. Hinzu kam, dass in der damaligen Zeit nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung überhaupt schwimmen konnten. In dieser Zeit waren jährlich über 5.000 Ertrinkungstode zu beklagen.

Aus den Anfangsjahren der Gesellschaft ist nur belegt, dass Sitz der ersten Geschäftsstelle Dresden war und schon 1913 die ersten Rettungsschwimmer ausgebildet wurden. Auch bestanden mit Grundschein, Bronze-Plakette und Lehrschein die ersten Ausbildungsangebote. Durch ersten Weltkrieg und die Nachkriegszeit wurden der weitere Aufbau und die Ausbreitung stark erschwert. Bis Mitte der 20er Jahre kam die Arbeit der DLRG sogar fast ganz zum Erliegen. Zusammen mit dem Neuanfang wurde der Hauptsitz von Dresden nach Berlin verlegt. Mit dem Der Lebensretter wurde für kurze Zeit das erste Verbandsorgan aufgelegt.

Bis zur Eingliederung der DLRG in das Fachamt des Deutschen Reichsbundes Leibesübungen und der damit verbundenen Unterordnung unter den Reichssportführer im Jahr 1933 wurden über 258.000 Personen ausgebildet. Im Dritten Reich wurde aus der Gesellschaft die Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft. In den Folgejahren bis 1942 konnten die DLRG fast eine Million Rettungsschwimmer ausbilden. Gleichzeitig sank die Opferzahl der Ertrinkungstoten auf ca. ein Drittel der Zahlen aus den Jahren vor 1913.

Wie viele Organisationen des Dritten Reiches wurde auch die DLRG von der alliierten Militärverwaltung verboten. In den westlichen Zonen konnte die Arbeit aber bald wieder fortgesetzt werden. In der sowjetischen Besatzungszone und nach Gründung der DDR ging Arbeit auf den neugegründeten Wasserrettungsdienst über, der heutigen Wasserwacht.

Im Westen wurde 1947 die DLRG wieder zur Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Anfang der 50er Jahre hatte die DLRG wieder 28.000 Mitglieder in 13 Landesverbänden. Aus dieser Zeit stammt auch die Einführung des Deutschen Jugendschwimmpass.

Auf internationalen Boden trat die DLRG 1951 der Fédération Internationale de Sauvetage aquatique (FIS) bei, der heutigen International Lifesaving Federation (ILS). Beschränkten sich die Einsätze in der Vergangenheit in erster Linie auf Binnengewässer, wurde der Rettungsdienst im Jahr 1955 auf die Küsten von Nord- und Ostsee ausgeweitet. Als 14. Landesverband wurde 1957 die bis dahin selbstständige Saarländische Lebens-Rettungs-Gesellschaft (SLRG) aufgenommen. Voraus gegangen war die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik nach einer Volksabstimmung im Jahr 1955, welches als teilautonomen Landes unter dem Protektorat Frankreichs stand.

Im Jahr 1959 richtete die DLRG erstmalig die internationalen Rettungswettkämpfe der FIS in Wiesbaden aus. In den 60er und 70er Jahren stiegen die Mitgliederzahlen auf über 474.000. Grund hierfür war auch große Zahl der von der öffentlichen Hand gebauten Frei- und Hallenbäder. Damals war der öffentlichen Hand die Errichtung derartiger Sport- und Freizeiteinrichtungen noch wichtig. In diese Zeit fällt zum Beispiel auch der Bau des Stadtbad Mitte in Kassel, von dem wir Ende April Abschied nehmen mussten. In dieser Zeit stieg auch die Zahl der abgenommenen Prüfungen auf über 1,5 Millionen.

Einen ersten Beweis ihrer Leistungsfähigkeit leiste die DLRG bei Sturmflutkatastrophe 1962 an der Nordseeküste und vor allem in Hamburg. Doch erst Mitte der 1970er Jahre attestierte die damalige Bundesregierung der DLRG die generelle Eignung für eine Mitwirkung im allgemeinen Katastrophenschutz. Die Eignung konnte die DLRG in der jüngsten Vergangenheit wieder eindrucksvolle unter Beweis stellen – so zum Beispiel beim Oderhochwasser 1997 und bei den Elbehochwassern 2002 und 2013. Auch bei der Tsunami-Katastrophe 2004 war die DLRG im Einsatz

Von der ständigen Konferenz der Kultusminister wurde 1978 die Prüfungsordnung der DLRG „Schwimmen-Retten-Tauchen” anerkannt. Gleichzeitig wurden die Schwimmabzeichen und Prüfungen für die ganze Bundesrepublik vereinheitlicht. Seit 1983 ist der deutsche Bundespräsident Schirmherr der DLRG. Begründet wurde diese Tradition erstmals mit Karl Carstens. Aktuell ist Joachim Gauck Bundespräsident und somit zugleich Schirmherr. Die Gründung einer eigenständigen Jugendorganisation, der heutigen DLRG-Jugend geht aber bereits auf das Jahr 1962 zurück.

In Folge des Mauerfalls und der Wiedervereinigung mit der DDR wurden auch in Ostdeutschland neue Ortsgruppen und Landesverbände Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gegründet. Dem bestehenden Landesverband Berlin wurden Ostberlin angegliedert. Die letzten Landesverbände entstanden 1991 in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Nach dem Zusammenschluss der Landesverbände Niedersachsen und Braunschweig im Jahr 2007 besteht die Gesellschaft nunmehr aus 18 Landesverbänden. Im Jahr 1995 wurde der Bundessitz von Berlin nach Bad Nenndorf in Niedersachsen verlegt.

Ein weiteres bedeutendes sportliches Ereignis war 1990 die Ausrichtung der Weltmeisterschaft im Rettungsschwimmen Rescue in Lübeck und Travemünde. Sechs Weltmeisterschaftstitel konnten die Starter der DLRG hier gewinnen. Im Sommer 2008 fanden die Rescue erneut in Deutschland statt. Diesmal in Berlin für die Hallenbad-Disziplinen und in Warnemünde für die Freigewässerdisziplinen.

Mit ca. 568.000 Mitgliedern erreichte die Gesellschaft im Jahr 2001 einen neuen Höchststand. Gleichzeitig wurde im diesem Jahr auf der Bundestagung ein Neustrukturierungsprozess des Verbandes beschlossen. In diesem Zusammenhang wurde mit dem Corporate Design ein einheitliches Aussehen auf allen Ebenen und Gliederungen der DLRG eingeführt. Sind aktuell seit der Gründung der DLRG die jährlichen Ertrinkungszahlen um 90% gesunken, so ist Ziel diese Zahlen bis 2020 nochmals zu halbieren. Gleichzeitig ist die Zahl der Schwimmerinnen und Schwimmern in der Bevölkerung auf ca. 80% gestiegen.

Wie auch alle anderen Schwimmsporttreibenden Vereine hat auch die DLRG mit dem politischen Wandel in Bezug auf zur Verfügung stehender Hallen- und Freibäder zu kämpfen. Im mehr Kommunen müssen das Angebot an diesen kostenintensiven Sporteinrichtungen einschränken oder gar schließen. Dies ist auch ein Grund, dass die Zahl der Nichtschwimmer gerade im Vor- und Grundschulalter wieder ansteigt. Auch das Angebot der Vereine in der Nachwuchsarbeit wird hierdurch zu nehmend eingeschränkt.

Bei der Ausbildung unterscheidet man folgende Bereiche:

  • Schwimmen und Rettungsschwimmen
  • Tauchen
  • Wasserrettung und Katastrophenschutz
  • Sanitätswesen

Die Einsatzbereiche unterteilen sich in:

  • Katastrophenschutz
  • Wasserrettungsdienst
  • Schnell-Einsatz-Gruppe
  • Rettungshunde
  • Aufklärungsarbeit

2009 hatte die DLRG 556.291 Mitglieder. Davon waren 228.907 (41,1 %) Kinder bis 14 Jahre, 118.835 (21,4 %) waren Jugendliche im Alter von 16 bis 26 Jahren, 207.339 (37,3 %) waren Erwachsene und 1.202 (0,2 %) waren Vereine, Firmen und Behörden.

Heute ist die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft somit eine der weltweit größten Gesellschaften im Rettungswesen.

Quellen: Online-Enzyklopädie Wikipedia‚ Internetauftritt der Deutschen Leben-Rettungs-Gesellschaft e.V.

 
Stand: 03.11.2013 13:15