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Zukunft der Freibäder in Kassel

von Norbert Kistner

Am Donnerstag, den 01. Dezember 2011, fand im Bürgersaal des Kasseler Rathauses eine öffentliche Anhörung des Ausschusses für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen statt. Thema war die Zukunft der beiden Freibäder in Wilhelmshöhe und Harleshausen. Beide Bäder stehen gemäß Bäderkonzept zur Sanierung an. Ursprünglich waren für die Sanierung des Freibades Wilhelmshöhe Kosten in Höhe von ca. 3,8 Mio. Euro veranschlagt worden. Die Ausführungen von Karsten Luttrop-Bauer von der KVV Bau- und Verkehrsconsulting Kassel belegen nach neuesten Erkenntnisse ein Bauvolumen von über 6,1 Mio. Euro für eine Modernisierung. Eingehende Untersuchungen am Gebäudekomplex hätten schwere Schäden aufgezeigt, die eine Sanierung als wenig sinnvoll erscheinen lassen. Wesentliche Teile der Gebäude müssen abgerissen werden, da die beim Bau des Bades verwendeten Baustoffe heutigen Standards und DIN-Normen nicht mehr entsprechen.

Zu den großflächigen Feuchtigkeitsschäden, hat im Laufe der Jahre eine tiefgreifende Karbonisierung an allen tragenden Bauteilen und in den Becken stattgefunden, sodass der Korrosionsschutz der tragenden Bewehrung nicht mehr gegeben ist. Aus diesen Gründen sind zum Beispiel die Umkleideräume nicht mehr nutzbar und wurden durch Container ersetzt.

Auch würde das vorhandene Raumangebot nicht mehr heutigen Standards im Bäderbau entsprechen. Erneuert werden muss auch die gesamte Technik. Um den einschlägigen Vorschrift genüge zutun, muss beim Betrieb des Bades ständig Frischwasser zugeführt werden.

Im Rahmen seiner Ausführungen wurden drei Varianten vorgestellt, mit Kosten zwischen 4,85 und 5,2 Mio. Euro. Geplant ist ein 5x25m Schwimmerbecken und durch einen Verbindungskanal angebundenes gleich großes Nichtschwimmerbecken. Die teurere Version beinhaltet neben einer terrassenförmigen Umgestaltung der Liegewiese auch ein separates Springerbecken.

Die Technik-, Sanitär- und Umkleideräume sind als einzelne flache Gebäudekomplexe geplant, die im Bereich des derzeitigen Haupteinganges errichtet werden sollen. Auf den Wiederaufbau des markanten Cafegebäudes, ursprünglich das eigentliche Eingangsgebäude des Bades, soll gänzlich verzichtet werden.

Zu Beginn der Sitzung hatte Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel die Anwesenden auf die hohe Verschuldung der Stadt Kassel sensibilisiert und zu mehr Sparsamkeit mit Haushaltsmitteln aufgerufen. Er tat dies auch in Hinblick auf die stetig steigende globale Verschuldung in Europa und der Welt.

Die sich anschließende Fragestunde zeigte auf, dass die anwesenden Bürger und Vertreter der beiden Fördervereine mit den vorgestellten Varianten in keinster Weise einverstanden sind. Deutlich wurde, dass wieder ein 50m Kombibecken gewünscht wird. Auch wurden bemängelt, dass im Vorwege der Planung nicht die Bedürfnisse der einzelnen Nutzergruppen ermittelt wurden. Es wurde zwar seitens einzelner Experten auf dem Podium festgestellt, dass zum Beispiel die Schulen im Einzugsgebiet des Bades – hier wurden unter anderem die Henschelschule, Luisenschule, Schule am Königstor, Wilhelmsgymnasium, Heidewegschule usw. genannt – die angebotenen Zeiten kaum oder gar nicht genutzt haben; aus welchen Gründen die Schulen die Trainingszeiten nicht genutzt haben, wurde in der Veranstaltung aber nicht dargelegt.

Anmerkung des Verfassers: die Gründe könnten unter anderem die teilweise langen Anfahrtswegen und den angebotenen Zeiten, die mitten in den Unterrichtsblöcken liegen, sein.

Zum Erhalt des Freibades Harleshausen wurde sich seitens der Vertreter der Stadt Kassel nur dahingehend geäußert, dass im 1. Quartal 2012 eine umfangreiche Bestandsaufnahme über die Bausubstanz des Bades erstellt und nach Vorlage der Ergebnisse über weitere Planungen entschieden werden soll. Auch ein gemeinsamer Neubau, der beide Bäder ersetzen könnte, ist noch nicht gänzlich vom Tisch.

Bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass die Bevölkerung bzw. späteren Nutzer, wie Vereine oder Schulen, stärker und verbindlicher in die Planungen eingebunden werden, als dies letztlich beim neuen Kombibad am Auebad bis jetzt der Fall war. Zeigt es sich hier, dass das neue Bad in vielen Punkten den Wünsche der späteren Nutzern nicht entspricht und vorliegende Einwende, Wünsche und Hinweise ignoriert werden. So verfügt das Bad zum Beispiel nur über Lehrschwimmbecken gemäß den Richtlinien und den Abmessungen eines Nichtschwimmerbeckens und auch über keine Tribünen wie im Stadtbad Mitte.

 
Stand: 14.02.2012 22:32